
Es handelt sich um einen deutschen Krimi, allerdings nicht um Cosy Crime in einem Dorf, von dem man vorher noch nie was gehört hat, sondern das harte Zeug. Staatsanwältin Chastity Riley ermittelt (zum 6. Mal), und allein der Name der Protagonistin macht klar, dass wir es hier entweder mit christlicher Literatur oder einem Hardboiled Krimi zu tun haben.

Es ist wenig überraschend letzteres. Schauen wir mal auf die ersten Sätze.
Ein Auto stirbt ab, mit einem sehr wagemutigen Vergleich “räuspert sich wie ein alter Mann unter einem dunklen Himmel”, man fragt sich, wie sich ein alter Mann wohl unter einem sonnenbestrahlten Himmel räuspern würde, aber nun ja. Er – der Motor – räuspert sich also irgendwie nicht normal. Dann “ich”, also die Protagonistin, setzt sich auf die “rostgoldene Motorhaube”, wie wohl goldener Rost aussieht? Vielleicht ein verrostetes Auto im Schein einer Straßenlaterne? Der dunkle Himmel lässt ja Abend oder Nacht vermuten. Dann hält das Ich das “Gesicht in die schwere, kalte Luft”.
Das sind drei sprachlich sehr anspruchsvolle Bilder im ersten Absatz.
Dann eine Ellipse (ein unvollständiger Satz). “Zigarette”. Gefolgt von einem neuen Bild “den Nebel trockenrauchen”.
Auch wenn beim letzten Satz klar ist, was damit gemeint ist, offensichtlich ist es neblig und sie setzt die Hitze des Zigarettenrauches gegen die kühle, feuchte Umgebung, ist das dann doch eine Ansammlung von Sprachbildern, die für einen Genreroman ungewöhnlich sind. “Blaue Nacht” (auch ein Sprachbild) ist bei Suhrkamp erschienen, da könnte man das erwarten. Und auch wenn diese Ansammlung auf den ersten Blick mühsam erscheint, vermittelt sie doch zwischen den Zeilen eine ganz spezifische Stimmung, ein Gefühl für das Außenseitertum und die Grenzwertigkeit des Hard Boiled Detectives. In diesem Text ist alles irgendwie negativ konnotiert, der dunkle Himmel, die rostgoldene Motorhaube – auch wenn golden gut ist, Rost sicher nicht –, die Luft ist schwer, es wird geraucht, um sich zu beruhigen. Nicht zu vergessen das Räuspern eines alten Mannes in Kombination mit Zigaretten, was auch nicht unbedingt Gesundheit und Entspannung verspricht.
Ob man das mag, ist Geschmackssache. Aber es ist eine interessante Interpretation eines älteren Genres, die zudem mit einigen der Klischess bricht, während es andere beibehält.