Die Autorin ist bekannt für “Soul Kitchen“, das Buch zum gleichnamigen Film (wobei das Buch die Vorgeschichte erzählt, aber parallel zum Film verfasst wurde). Ich konnte leider nicht überprüfen, ob die erste Zeile der Leseprobe auch die erste Zeile des Buches ist, da es nirgendwo ein digitales Explempar gab.
Die Nektarine
“Du siehst aus wie diese Schauspielerin, die Tochter des italienischen Regisseurs, der diese Horrorfilme in den Achtzigern gemacht hat …”
Lassen wir mal außer Acht, dass es ein recht langer, unvollständiger und irgendwie holpernder Satz ist, dann ist es vor allem eins: wörtliche Rede.
Und wörtliche Rede, wenn sie gut geschrieben ist, hat den großen Vorteil, dass sie szenisch ist, anschaulich und Stimmung erzeugt. Sie zieht sofort in den Text, einfach weil sie nicht beschreibt, nicht rafft, sondern eine Figur charakterisiert und sie zeigt, wie sie ist und handelt.
Wörtliche Rede ist immer eine gute Idee für einen Romananfang. Warum wird es so selten gemacht? Weil es schwierig ist. Der Leser hat keinerlei Information, er weiß weder wer ist der Sprecher, wo ist er (oder ist es eine sie) und wann spielt das Ganze? Das sind aber die drei Informationen, die man am Anfang einer Szene immer klären sollte, am besten im ersten Satz, mindestens im ersten Absatz. Da das mit wörtlicher Rede oft schwierig, mitunter unmöglich ist, kommt sie so selten am Anfang.
Aus dem Klappentext wissen wir, im Roman geht es um eine schöne Frau Anfang Dreißig, die Schauspielerin und erfolglos ist. Mit diesen Informationen können wir den ersten Satz einordnen, jemand sagt ihn zur Hauptfigur, vermutlich eine Anmache (was wiederum Spannung verspricht, entweder Liebesspannung oder Thrill). Aber selbst wenn wir diese Information nicht haben, ist klar, dass da jemand auf nicht direkt schmeichelhafte Weise beschrieben wird und wir wollen natürlich wissen, wer die beschriebene Figur ist.
Zu guter Letzt ist ein Verweis drin, auf einen italienischen Film und einen berühmten Regisseur, wer beim Lesen weiß, wer gemeint ist, liest deswegen weiter (der Herr war bekannt für Slasherfilme mit vielen nackten Frauen und Fetischmotiven). Man kann sich vielleicht denken, dass nicht Liebesspannung folgen wird, und wenn, dann keine positive.