
Und wieder ein Fall mit einem vorgestelltem Text, der kein Prolog ist. In diesem Fall ist es ein fiktiver Zeitungsartikel über einen Leichenfund in London, 1981, in der Leseprobe auf Seite 11.
Damit wird effektiv der Fall eingeführt, eine Figur (Inspektor Lestrade) und ein bisschen Background (es gab wohl kürzlich Unruhen in der Stadt).
Das erste Kapitel begintn dann so (Leseprobe Seite 13)
1 – Die Reichenbachfälle
Glaubt irgendjemand wirklich, was an den Reichenbachfällen passiert ist?
Gut, das ist für einen Krimi und eine Sherlock-Holmes-Pastiche ein guter Anfang. Es wird eine Frage aufgeworfen und auf ein Ereignis aus dem Original verwiesen, das man nachahmen will. Jeder, der Sherlock Holmes und Moriarty kennt, weiß, was die Reichenbachfälle sind.
Nur: Wer sagt diesen Satz?
Das ist auch ein Spannungselement, wenn der Leser nicht weiß, wer da spricht, also liest man weiter, zumindest mal den nächsten Satz. Da stellt sich heraus, der Text ist in der 1. Person geschrieben.
Viele Berichte sind darüber geschrieben worden, aber mir scheint, dass bei allen das Wichtigste fehlt … nämlich die Wahrheit.
Wer ist “ich”?
Moriarty vielleicht? Aber der ist ja tot, wenn die Reichenbachfälle schon stattgefunden haben. Auf der anderen Seite wurde ja im ersten Satz genau das infrage gestellt.
In den nächsten Abschnitten bleibt das Rätsel weiter ungeklärt, es ist auch nicht Dr. Watson, sondern ein Bewunderer desselben, auf der zweiten Seite wird es dann geklärt, der Ich-Erzähler stellt sich vor, in einer direkten Leseransprache:
Wer bin ich? Nun, damit Sie wissen, in wessen Gesellschaft Sie sich befinden, will ich Ihnen sagen, dass mein Name …
Da der Schreiber offenbar an einer Schreibmaschine sitzt und sich als Watson-Bewunderer definiert, ist er Schriftsteller und das Geschriebene also ein fiktiver Roman im Roman (womit die notwendige Bedingung erfüllt wäre: ein Leseransprache braucht einen identifizierbaren Erzähler).
Das ist kein schlechter Anfang und gut geschrieben, alle Informationen kommen, sogar so, dass auch Nicht-Sherlock-Holmes-Leser zeitnah über die wichtigsten Dinge informiert werden und damit das Buch mit Gewinn lesen können. Es wird auch angedeutet, worum es in etwa in der Geschichte gehen könnte. Für Krimileser und Sherlock-Holmes-Fans zu empfehlen.