“Schattenstaub – die Prüfung” von Sam Feuerbach, Mira Valentin & Greg Walters (High Fantasy)

Sam Feuerbach, Mira Valentin und Greg Walters sind drei deutsche Fantasyautoren, die jeder einzeln High Fantasy und historische Fantasy veröffentlichen, anfangs im Selfpublishing, inzwischen auch bei Verlagen wie Fischer Tor. Sie bilden einen Autorenvereinigung, die Weltenbauer3. “Schattenstaub” ist ihre erste gemeinsame Veröffentlichung. Laut Klappentext geht es um eine schwere Prüfung, die von drei Helden zur Rettung der Welt absolviert werden muss.

Sie waren umzingelt.

Fängt schon mal gut an. Ein einzelner Satz, eine Frage (Wer sind “sie”?) und sehr viel Konflikt. Der Rückbezug auf das Wissen des Lesers (aus Klappentext und Cover) ist notwendig für diesen Satz, aber er funktioniert, weil er eine klar vorstellbare Situation beschreibt, die Gefahr bedeutet. Umzingelt ist man normalerweise nicht von Freunden.

Von überallher hüllte die Dunkelheit sie ein, griff mit Fingern aus Zwielicht nach ihnen und verschlang alles Leben.

Okay, und es geht spannend weiter, es sind nicht Lebewesen, die sie umzingeln, sondern Dunkelheit. Und diese Dunkelheit lebt, sie hat Finger und sie verschlingt, sehr anschaulich.

Ein leiser Tod, grausamer als jeder Schwerthieb.

Vergleich der Bedrohung mit einer, die sich der Leser vorstellen kann. Information verpackt als Setting.

Denn wer in den Schattenstaub geriet, der starb nicht einfach – vielmehr wanderte dessen Seele für alle Zeiten durch die Finsternis.

Damit sind die Gefahr, das Setting und der Konflikt etabliert.

Tatsächlich handelt es sich bei diesem ersten Kapitel namens “Schattenstaub” um eine Art Prolog, denn das nächste Kapitel heißt “Vom Regen in die Traufe”und beginnt mit:

Sechs Jahre später
Marl roch das Ei, ehe er es sah.

“Vom Regen in die Traufe” ist ein ganz anderer Tonfall als “Schattenstaub”, allgemein klingt der Prolog viel ernster, “ewige Finsternis”, “Ende allen Lebens”, “grausamer Tod” und so weiter. “Vom Regen in die Traufe” klingt eher nach einem Missgeschick, ärgerlich aber nicht gefährlich. Der erste Satz, “Marl roch das Ei”, versprüht auch nicht gerade Bedrohung, es sei denn, es handelt sich um ein faules Ei, und genau das ist der Fall. Marl ist, wie sich herausstellt, auf dem Weg zu seiner Hinrichtung und wird mit einem faulen Ei beworfen.

Damit hätten wir ein wesentliches Merkmal der Texte dieser drei Autoren gefunden: Abwechslung. Klarheit und Abwechslung. Man versteht, worum es geht, und der Text bewegt sich hin und her, zwischen Ernst und Spaß, zwischen langen und kurzen Sätzen, zwischen konkret und abstrakt, zwischen szenisch und informativ. Das ist ein starker Faktor, wenn es darum geht, Leser im Buch zu halten, weil Abwechslung das Gehirn anregt, es wirkt wie ein Dopamingenerator: hoch, runter, hoch, runter. Mehr, mehr. Immer wieder kommt etwas Neues.

Der Roman ist Teil einer Triologie, alle Bände sind bereits erschienen.